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Miele & Cie. KG

Energieeinsparung durch Mitarbeitermotivation

files/images/Miele/Miele werksfoto gross.jpgEnergieeinsparung ist bei Miele schon seit vielen Jahren ein wichtiges Thema. Dies gilt nicht nur beim Gebrauch der Hausgeräte, sondern auch bei deren Herstellung. Durch konsequente Nutzung energiesparender Techniken konnte der Energiebedarf in den vergangenen Jahren deutlich gesenkt werden. Allein in den letzten zehn Jahren wurde der Wärmebedarf des Werkes Gütersloh um ca. 50 Prozent gesenkt. Erreicht wurde dies durch verbesserte Isolierung der Werkshallen, Umstellung der Heizung auf Fernwärme aus einem benachbarten Industriekraftwerk, konsequente Nutzung von Wärmerückgewinnung und Verbesserung einzelner Produktionsprozesse ‒ ein wichtiger Aspekt, der dazu beigetragen hat, ist, dass seit vielen Jahren bei Anlagen-Neuplanungen Prozesstemperaturen von über 70°C vermieden wurden. Dies hat dazu geführt, dass beispielsweise mit der Wärmerückgewinnungsanlage einer neuen Kompressorenstation die Prozessbäder im Oberflächenwerk beheizt werden können.

Seit dem letzten Jahr wird nun das erste Gebäude fast ausschließlich mit Wärmerückgewinnung aus der Kälteanlage des Rechenzentrums beheizt. Nicht alle technischen Maßnahmen, die als Energiesparmaßnahmen eingebaut wurden, haben sich in der Anwendung aber bewährt. Ein Beispiel hierfür ist die Beleuchtungs- und Heizungssteuerung im Verwaltungsbereich. Mit Präsenz- und Helligkeitsmeldern, teilweise kombiniert mit Zeitsteuerungen, wurde versucht, den Strombedarf in den Büros zu senken. Bei der Nutzung dieser Technik kam es immer wieder zu zeitraubenden Diskussionen mit den Mitarbeitern, weil die Beleuchtung oder die Heizung „nicht richtig“ funktioniere. In der Tat ist es nicht möglich, mit technischen Maßnahmen auf das Befinden aller Mitarbeiter einzugehen. In einzelnen Bereichen wurde daher die Steuerung wieder außer Betrieb genommen und durch den Lichtschalter an der Bürotür ersetzt. Dies bedingt aber auch, dass die Mitarbeiter selbst gefordert sind, die Beleuchtung bei ausreichendem Lichteinfall auszuschalten. Die sinnvolle Nutzung von Energie setzt auch ein entsprechendes Bewusstsein voraus und so wurde seitens des Energiemanagements ein Konzept erarbeitet, mit dem alle Mitarbeiter zum Energiesparen motiviert werden sollen. Die Maßnahmen des Konzeptes sind in 4 Schritten gegliedert:

1. Teil ‒ Aktuelle Bedarfssituation und Marktgeschehnisse

Bei einer Informationsveranstaltung werden die Bedarfe von Strom, Wärme und Erdgas des gesamten Werkes und Teilbedarfe der wichtigsten Fertigungsbereiche dargestellt. Ergänzt werden diese Daten mit der Erläuterung verschiedener Energiesparmaßnahmen, die in den vergangenen Jahren, trotz Erhöhung der Produktionszahlen und Erweiterung des Raumvolumens, kontinuierliche Bedarfsreduzierungen gebracht haben. Hiermit werden die Bemühungen zum Energiesparen seitens der Geschäftsführung deutlich. Ferner zeigt die Entwicklung der relativen Preis- und Ressourcenentwicklung die Einschätzung der zukünftigen Situation. Dieser Punkt des Konzeptes findet z. B. in Verbindung mit Arbeitssicherheitsunterweisungen oder Informationsveranstaltungen statt, die als Bestandteil der Personalführung regelmäßig durchgeführt werden.

2. Teil ‒ Maßnahmen zum Energiesparen im Arbeitsumfeld


Abb. 1: Stand-by-Kosten für Bürogeräte

In diesem Teilschritt werden arbeitsplatzbezogene Informationen zum Energiebedarf und Einsparmöglichkeiten gegeben. Für die Vorbereitung dieses Punktes findet in den Fertigungsbereichen zunächst mit den Funktionsleitern eine Begehung statt, bei der anhand einer Checkliste Energiesparmöglichkeiten diskutiert werden. Hierbei werden vielfach bereits erste Einsparpotenziale erkannt und die mögliche Umsetzung vorbereitet. Die bei dieser Begehung erkannten Punkte werden in der Mitarbeiter-Information dargestellt und dabei wirtschaftliche und ökologische Verbesserungen (CO2-Reduzierung) genannt. (Heiz- und Stromkosten pro m² Bürofläche bezogen auf das Gebäude, Stromkosten für einen 1,5 kW-Motor, wenn er in der Pause unnütz läuft). Die abteilungsbezogenen Energiesparmöglichkeiten werden in Form von Energiespartipps aufgezeigt und die Auswirkungen beispielhaft mit Zahlen belegt. Dieses ist aus unserer Sicht besonders wichtig. Dazu kommt die Bedeutung der Handlung im Ganzen. Beispiel: Im Werk Gütersloh werden jährlich schätzungsweise 110.000 kWh Strom nur für den Stand-by-Betrieb der Computer benötigt. Wenn ein PC ausgeschaltet ist, ist er (leider) nicht vom Stromnetz getrennt. 12 Prozent des jährlichen Strombedarfs werden danach im „ausgeschalteten Zustand“ verbraucht. Dieses Beispiel zeigt, dass die Handlung des Einzelnen bedeutungsvoll ist. Die Mitarbeiter können beim Hausmeister schaltbare Steckerleisten erhalten um den Stand-by-Verlust zu vermeiden. Die Amortisationszeit beträgt ca. 0,8 Jahre. Im Werk Gütersloh sind etwa 600 Zähler installiert, um die Energieströme darzustellen. Da die Messwerte der meisten Zähler automatisch erfasst werden, stehen in den Fertigungsbereichen für diese Diskussion häufig auch Lastgänge zur Verfügung, so dass Wochenendbedarfe oder Lastspitzen direkt gezeigt und besprochen werden können.

3. Teil ‒ Nacharbeit mit dem Vorgesetzten

In den folgenden Tagen und Wochen wird das Thema durch den Vorgesetzten weiter belebt. Hierfür stehen ihm Handzettel, Plakate u. Prospekte im Intranet zur Verfügung. Seitens des Energiemanagements wird diese Arbeit mit weiteren Beratungen begleitet. Soweit möglich, werden die Energiesparbemühungen durch weitere Messungen dargestellt. Da die Energiesparbemühungen nicht nach einigen Wochen wieder nachlassen sollen, das Energiemanagement aus Kapazitätsgründen aber nicht dauerhaft präsent sein kann, wird versucht, einen Mitarbeiter der Abteilung oder eines Bereiches als Energiebeauftragten zu gewinnen. Dieser hat die Aufgabe, das Thema Energieeinsparungen weiter zu beleben und den Kontakt zum Energiemanagement zu halten. Auch hier wurde das Rad nicht neu erfunden, sondern auf vorhandene Strukturen zurückgegriffen. So wurde die Organisation des Sicherheitsbeauftragten in Anlehnung an das Arbeitssicherheitsgesetz übernommen. Darüber hinaus stehen in der von der Personalentwicklung geschaffenen Mediothek Bücher, Broschüren und ein Messgerät für den „Hausgebrauch“ zur Verfügung. Insbesondere das Messgerät wird stark nachgefragt, um Energieeinsparungspotenziale im privaten Umfeld zu erkunden. Die Mitarbeiter befassen sich dadurch auch außerhalb der Arbeitszeit mit der Thematik des Energiesparens.

4. Teil ‒ Verbesserung der Anlagentechnik

Ein weiteres wichtiges Anliegen ist die Reduzierung des Energiebedarfes der Maschinen und Anlagen in der Fertigung. Miele hat eine sehr hohe Fertigungstiefe, die einen eigenen Anlagenbau beinhaltet. Hier gilt es, das Bewusstsein der Anlagenplaner und Konstrukteure zu wecken. Zu diesem Zweck gibt es im Intranet eine moderierte Kommunikationsplattform mit dem Titel „Von Planern für Planer“. Über diese Plattform werden die Mitarbeiter aufgefordert, energiesparende Techniken vorzustellen, um dieses Know-how anderen zur Verfügung zu stellen. Die Maßnahmen werden vor der Veröffentlichung in Fachkreisen diskutiert und bewertet. Dabei stehen aktuelle Informationen zur Energiebedarfs- und Kostenentwicklung immer wieder auf der Tagesordnung. Das Controlling ergänzt den zu einer bestimmten Idee im Intranet veröffentlichten Prospekt mit konkreten Aussagen zu Kosten und Wirtschaftlichkeit. Wenn es möglich ist, werden die Ideen als Vorgaben für externe Anlagenlieferanten in die Betriebsmittelrichtlinie übernommen. Nach dieser Richtlinie ist beispielsweise auch vorgegeben, dass nur noch hocheffiziente Elektromotoren verwendet werden. Aus den unter 3. beschriebenen Maßnahmen werden die Konstrukteure aber auch von den Anlagenbetreibern aufgefordert, bestehende Steuerungen so zu ändern, dass diese z. B. komplett abgeschaltet werden können. Viele ältere Steuerungen und Anlagenteile können nicht komplett abgeschaltet werden.


Abb. 2: Das Intranet als Ideenplattform für Planer und Konstrukteure

Ergebnis:

Im Bürobereich lässt sich der Strombedarf der Büromaschinen um ca. 12 Prozent senken, wenn mit der abschaltbaren Steckerleiste der Stand-by-Verlust vermieden wird. Die Ergebnisse einzelner Maßnahmen in den Fertigungsbereichen lassen sich oft leider nicht im Detail darstellen. Dies hat vielfältige Gründe. Einerseits sind die von den Energiezählern erfassten Bereiche und Organisationsbereiche nicht immer identisch und der Einbau zusätzlicher Zähler ist nicht wirtschaftlich. Zum anderen gibt es Verzerrung durch Urlaubszeiten und wechselnde Wetter- und Lichtverhältnisse. In Produktionsbereichen wie Gießerei und Presswerk sind die Auswirkungen durch die Mitarbeiter verhältnismäßig gering und fallen in den Zählungen nicht auf. Außerdem kommt es immer wieder vor, dass verschiedene Energiesparprojekte (Fassadenisolierung und persönliche Maßnahmen) parallel laufen. Dennoch ist es wichtig, den Blick für den sorgsamen Umgang mit Energie im Hinblick auf die zukünftige Entwicklung zu schärfen.