Energieeffizienz im Unternehmen - Beispiel SCA Tissue Europe

SCA ist das führende Unternehmen für Tissueprodukte in Europa. Energie-effizienz hat einen erheblichen Einfluss auf den Carbon-Footprint, der für SCA´s Auftraggeber – die grossen Handelsketten in Europa – von zunehmender Bedeutung ist. Auch wenn unser Rohstoff Holz nachwächst, ist nachhaltiges Wirtschaften durch Papierrecycling, Energetische Nutzung von Reststoffen und – last but not least – energieeffiziente Produktion eine der Grundlagen des Unternehmens und vielleicht einer der Gründe warum SCA von EIRIS/The Indpendent 2007 als „Second Greenest Company in the World benannt wurde und auf der WWF-Liste an der Spitze steht.
Steigende Energiekosten, eine Verdoppelung in wenigen Jahren und steigendes Umweltbewusstsein stellen heute Herausforderungen dar, die es anzupacken gilt:
- Im administrativen Bereich,
- kommerziellen Bereich,
- technischen Bereich.
Energie ist in der Papierindustrie eine der Hauptproduktionskosten. Bei der Tissueherstellung liegen z.B. die Energiekosten im Bereich von 20% bis 25% der Gesamtproduktionskosten.
Ein Bearbeiten von einzelnen Projekten an gerade ins Auge fallenden Anlagen bzw. deren Teilen ist aus unserer Sicht nur suboptimal.
Eine systematische Herangehensweise und ein kontinuierlicher Verbesserungsprozess, der unternehmensweit eingeführt ist, ist viel mehr geeignet, den Herausforderungen zu begegnen.
SCA hat zu diesem Zweck das ESAVE-Programm eingeführt à EnergySAVings and Efficiency:
- Programmstart als Pilotprojekt bei Tissue Europe im Jahr 2000 bis 2001
- Aufgabenstellung ist kontinuierliche Verbesserung der Energieeffizienz
- Koordination durch die Konzernverwaltung in Stockholm
- Stufenweise Einführung erfolgte in allen Werken in Europa von 2001 bis 2004
ESAVE ist kein Projekt, sondern ein kontinuierlicher Prozess und eine Denkweise!
Die Fragen zu Beginn:
- Wie soll es auf Konzernebene organisiert sein?
- Wie soll es in den Werken organisiert sein?
- Wie können ausreichende Ressourcen technisch, finanziell, personell bereitgestellt werden?
Ziele wurden erarbeitet und werden fortgeschrieben für das Gesamt-Unternehmen, für die Geschäftsbereiche, für die Werke und für einzelne Papiermaschinen. Dazu galt es, das Energiebewusstsein auf allen Ebenen der Organisation zu steigern. Wesentlich hier ist auch auf allen Ebenen engagierte Mitarbeiter auszusuchen, die den Prozess „antreiben“ und sich nicht treiben lassen.
Die Erstellung von energiespezifischen Benchmarks ist eine weitere Hauptaufgabe:
- Werksintern Energieverbräuche über die Zeitachse (Papiermaschinen, Kraftwerk etc.)
- Werksintern zwischen einzelnen Papiermaschinen
- Bereichsintern zwischen den Tissuewerken
- Extern zu anderen Anlagen.
Seit 2004 werden einmal jährlich ESAVE-Workshops durchgeführt, an denen alle Verantwortlichen aus den Werken teilnehmen, berichten und Erfahrungen austauschen:
- „Best Practice“
- Beste verfügbare Technologie
- Projektergebnisse, positive und negative Erfahrungen
- Gegenseitiges persönliches Kennenlernen, um die tägliche Kommunikation zwischen allen Werken auf Arbeitsebene zu verbessern.
Eine grundlegende Erfahrung zu Anfang war, dass die Werke alle unterschiedliche Entstehungsgeschichten und Gründungseigentümer hatten und daher auch unterschiedliche Philosophien hinsichtlich Messung von Energieflüssen beim Bau realisiert worden waren. Eine Erkenntnis daraus:
Was du nicht messen kannst, kannst du nicht verbessern!
Die Harmonisierung von Messeinrichtungen in den Werken ist allerdings eine Langfristaufgabe, aber notwendig um die Vergleichbarkeit von Benchmarkwerten zu verbessern.
Eine andere Erkenntnis:
Vergleichbare Ergebnisse erfordern eine gemeinsame Energiedatenbank!
Seit 2006 wird eine selbst entwickelte Energiedatenbank auf Basis monatlicher Werte für Verbräuche und Energie-Kosten einzelner Anlagen und des Gesamtwerkes betrieben. Diese Oracle Datenbank ist im Konzern-Netzwerk und im SAP-System verfügbar und dient zum Einen als Reporting Tool, zum Anderen als Analyse Tool für die Werke zum Erstellen ihrer Benchmarks, um sich mit Kollegen-Werken z.B. zu vergleichen und für interne Planungen. Sie wird von den Werken „gefüttert“
ESAVE Review:
Der Koordinator für den Unternehmensbereich besucht regelmässig „seine“ Werke mit z.B. diesen Punkten auf der Agenda; die gemeinsam mit dem Werksteam „unter Kollegen“ ausgearbeitet werden:
- Gemeinsame Identifikation von möglichen Energieeffizienz-Verbesserungsprojekten im Werk
- Ermittlung des Umfangs und gemeinsame Berechnung von möglichen Einsparungen an Energie und Kosten
- Abschätzung des Investitionsbedarfs und der Machbarkeit
- Erstellung eines Fahrplans für die Realisierung
Die Verantwortung für die Realisierung verbleibt beim Management-Team des Werkes, es gibt keine „Order von oben“, die Werke haben vielmehr ein Eigeninteresse daran, ihre Standorte attraktiv zu halten.
Die gegenwärtigen Kernthemen bei unseren ESAVE-Aktivitäten prioritiert:
- Verbesserung des Energiebewusstseins auf allen Unternehmensebenen.
- Optimierung der Betriebsweisen der Trockenhauben (große Gasverbraucher)
- Wärmerückgewinnung der Haubenabluft hinsichtlich Luft-Luft bzw. Luft-Wasser-Wärmetausch untersuchen und ggf. verbessern.
- Vakuumsysteme (Entwässerung der Papierbahn) hinsichtlich Bauart und Betriebsweise untersuchen.
- Andere wesentliche Energieverbraucher bei der Papiermaschine und Altpapieraufbereitung untersuchen.
- Effizienzanalyse des Dampf- und Kondensatsystems, Kondensatrücklauf untersuchen.
- Druckluftsysteme untersuchen, z.B. Leckagen, tatsächliches und notwendiges Druckniveau, Kompressoren-Betrieb.
- Verbesserungen im Ablauf bei der Papierverarbeitung (von grossen Rollen zu Produkten auf Paletten)
- Effizienz unserer Kraftwerke und Kesselanlagen.
Ein nicht zu unterschätzendes Potenzial besteht auch bei letzterem Punkt 9. In den Werken haben sich die Produkte über die Jahre gem. Kundenanforderungen geändert und somit die Verbräuche der Papiermaschinen an Niederdruck- und Mitteldruckdampf sowie Strom.
Zusätzlich können Dampfeinsparungen und Wärmerückgewinnungsmaßnahmen zur Substitution von Nieder-druckdampf und somit zu geringerer KWK-Eigenstromerzeugung führen, da die Turbinenauslastung geringer wird. Daher kann auch ein als solches hocheffizientes KWK-Kraftwerk manchmal nicht mehr optimal zu seinem Werk passen. Einen investitionsträchtigen Umbau oder einen Neubau gilt es dann zu untersuchen.
Das novellierte EEG fordert nun von den energieintensiven Unternehmen, die die Besondere Ausgleichsregelung (Härtefallregelung) in Anspruch nehmen, ein zertifiziertes Energiemanagementsystem einzuführen.
Das hier skizzierte System von SCA ist sicherlich kein Unikat, sondern in ähnlicher, an die Unternehmensgegeben-heiten angepasster Form, bei vielen energieintensiven Unternehmen eingeführt. Es wäre daher kontraproduktiv, wenn der Gesetzgeber ein detailliertes bürokratisches zusätzliches System vorgeben wollte, denn international aufgestellte Unternehmen betreiben auch internationale Energiemanagementsysteme, nationale Besonderheiten sind nur kosten-intensiv. Eine bestehende EMAS- oder ISO-Zertifizierung deckt das Gewollte u.E. genauso gut ab.